Kerstin WenzelIch entferne, was nicht wahr ist.
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Zu nah dran

Warum die blinden Flecken dort am größten sind, wo du am meisten liebst.

· Kerstin Wenzel

Du liebst deine Arbeit.

Du hast dein Angebot mit Sorgfalt gebaut. Jeden Satz auf deiner Website abgewogen. Du kennst dein Fach, du kennst deine Kundinnen und Kunden. Du arbeitest viel, und du arbeitest gern.

Nur trägt sie dich nicht.

Nähe macht blind

Es gibt ein Wort dafür, das man eher aus Unternehmen kennt: betriebsblind. Wer lange genug in einem Betrieb arbeitet, sieht irgendwann nicht mehr, was jeder Neue am ersten Tag bemerkt.

Im eigenen Business ist es genauso. Nur schärfer. Denn hier ist der Betrieb dein eigenes Werk. Du bist nicht nur lange dabei. Du hast es gemacht. Jeder Text, jedes Angebot, jede Entscheidung trägt deine Handschrift.

Und genau da fehlt der Abstand. Man ist zu nah an seinem eigenen Werk. Je mehr man es liebt, desto näher ist man dran.

Besonders nach einer Veränderung, in die du viel investiert hast. Neue Website, neues Angebot, neuer Auftritt. Du hast viel Lob dafür bekommen. Das Lob verdeckt den Blick. Es fühlt sich an, als wäre jetzt alles richtig. Und die eine Stelle, auf die es ankommt, ist wieder nicht berührt.

Warum man sich so schwer trennt

Dazu kommt etwas, das mit Sehen wenig zu tun hat. Von dem, was man liebt, trennt man sich schwer.

Den Satz, an dem du lange gefeilt hast, streichst du nicht. Das Angebot, das dir am Herzen liegt, auch wenn es niemand bucht, behältst du. Den Preis, der eigentlich zu niedrig ist, lässt du, weil du deine Kundinnen und Kunden nicht verlieren willst. Deine Worte werden weicher, aus Rücksicht. Und die Aufgaben, die du am liebsten machst, machst du selbst, auch wenn sie nicht die wichtigsten sind. Das Wichtige gibst du ab.

Streichen fühlt sich an wie Verlust. Also wird gestapelt. Noch ein Angebot. Noch ein Text. Noch ein Kanal.

Du tust das Falsche, aus Liebe

An Einsatz fehlt es nicht. Du tust das Falsche.

Das ist ein harter Satz. Er ist kein Vorwurf. Denn der Grund dafür ist nicht Nachlässigkeit, sondern Liebe. Aus Liebe zum eigenen Werk entstehen die blinden Flecken. Aus Liebe zu den Kundinnen und Kunden wird der Preis zu niedrig. Aus Liebe zur eigenen Arbeit wird alles behalten, auch das, was nicht trägt.

Und die Menschen, für die du das alles tust, spüren die Lücke. Sie spüren, dass dein Auftritt und du selbst nicht ganz zusammenpassen. Benennen können sie es nicht. Sie mögen dich. Aber sie kaufen woanders.

Warum du es nicht selbst siehst

Einen blinden Fleck sieht niemand allein. Er ist per Definition unsichtbar für den, der ihn hat. Und was man für wahr hält, kann man nicht selbst entfernen.

Die Gruppe hilft dabei selten. Dort wird gelobt, und Lob kostet nichts. Auch die KI hilft hier nicht. Sie bestätigt, was du ihr gibst, und spinnt jede Richtung mit. Sie ist in diesem Moment ein Ersatzsensor: Sie sagt dir, dass es gut ist. Spüren, ob es stimmt, kann sie nicht.

Und je mehr du liebst, desto überzeugender wirkt die Bestätigung.

Ein Blick von außen

Deshalb braucht es an dieser Stelle einen Blick von außen. Keinen, der urteilt. Keinen, der dir sagt, was du falsch gemacht hast.

Aus 40 Jahren Markenkommunikation kann ich jederzeit auf ein schnelles, körperliches Erfassen zurückgreifen. Ich spüre, wo jemand nicht mit sich übereinstimmt. Ob es stimmt, spürst dann du.

Das ist die Arbeitsteilung: Ich entferne, was nicht wahr ist. Einrasten kannst nur du. Was dann bleibt, ist deine Kernposition, der Ausgangspunkt für deine Entscheidungen. Von dort aus entscheidest du neu, was bleibt und was geht. Auch bei dem, was du liebst.

Liebe braucht einen Ausgangspunkt

Liebe ist nicht das Problem. Sie ist der Grund, warum du tust, was du tust. Aber Liebe macht klebrig. Du hängst an dem, was du gemacht hast. Und woran du hängst, das kannst du nicht mehr fühlen.

Am Ausgangspunkt fällt diese Klebrigkeit weg. Dann kannst du wieder Kontakt aufnehmen zu dem, was du produzierst: zu deinen Texten, zu deinem Angebot, zu deinem Preis. Und jedes Mal neu hineinfühlen: Fühlt es sich für mich stimmig an?

Das ist die Körperprüfung. Nicht einmal, sondern jedes Mal neu.

Nicht weniger lieben. Anders sehen.

Bis endlich bleibt, was trägt.

Die Methode Einrasten.

Vier Sitzungen, 1:1.

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